Samstag, 17. Dezember 2016


Herbergssuche 2016


Ebenso wie heute gab es vor 2000 Jahren für Zuagraste

(Fremde) keinen Platz in normalen Herbergen und schon
gar nicht in sogenannten vornehmen Häusern. Mit derlei
Scherereien wollte sich niemand seine gute Zeit vermiesen.
Die Herbergssuche von Maria und Josef verlief genauso
erfolglos wie die Herbergssuche unzähliger Menschen,
die heutzutage in Armut, als Obdachlose oder Flüchtlinge
an die Pforten einer Wohlstandgesellschaft pochen.

Unser Wert ist nicht von äußerer Macht und von
weltlichem Besitz abhängig. Jeder Mensch ist einzigartig,
und das Wunder - vergessen wir es nicht - vollzieht sich
im Verborgenen, im Stillen, fernab lautstarken
Weltgetriebes und konsumorientierter Festlichkeiten.
Dort im Stall zu Bethlehem leuchtete es auf, das
Licht in der dunklen Weltennacht.

Wenn wir guten Willens sind, werden
wir das Licht, das in der Finsternis leuchtet, sehen.
Wir werden es in allem und in jedem sehen - auch in den
Augen jener, die, von Leid niedergedrückt, der Hilfe bedürfen.
Jedes Leid ist schmerzlicher Ausdruck des in der Materie
gefangenen Seelenlichts, das sich nach Befreiung sehnt.
Es liegt an uns, dass wir uns diesem unter dem Staub des
Vergänglichen fast erstickten Licht zuneigen und helfen,
dass es in seinem Elend nicht völlig verlöscht.

Es ist das Licht des Mitgefühls und der Nächstenliebe,
das sich durch uns in der Welt des Augenscheinlichen
manifestieren kann. Durch dieses Licht kann uns selbst,
unserem Nächsten, ja der ganzen Welt Heilung zuteil werden.
 
  


Sonntag, 6. November 2016


Das Theaterstück "Also spricht Penlope" von Rosemarie Philomena Sebek wurde mit dem "DUC DE RICHELIEU-PREIS 2016" ausgezeichnet

Mann und Frau, die beiden Flügel des Vogels Menschheit.
Über sechstausend Jahre Patriarchat machten aus diesem 
Vogel eine lahme Ente, die mit der Kraft nur eine Flügels 
versucht, sich aus dem Morast der Einseitigeit zu befreien.


INHALT - “Also spricht PENELOPE”

Das Theaterstück handelt von einer Penelope der Jetztzeit, die im Selbstgespräch das nun schon Jahrtausende währende Patriarchat, seine Auswüchse und Einflüsse auf ihr eigenes Leben sowie auf das Leben aller Frauen und Männer dekonstruiert. Diese Dekonstruktion wird vermittelt durch poetische, emotionalisierte Sprache. Leise und lautstark geht es zu, wenn Penelope abrechnet. Die Metaphorik ist frisch: Von Phallozentrik ist die Rede, die in allen uns bekannten Zeitaltern herrschte und unser Leben immer noch beeinflusst, trotz Aufklärung, Feminismus und Gender-Debatten. Weltweit geht es um Herrschen und Unterwerfen, Gewinnoptimierung und Ausbeutung. Macht bedeutet längst nicht mehr, Leben zu schenken, sondern Leben auslöschen zu können. „Also spricht Penelope“ ist an die Odyssee und griechische Tragödien angelehnt; Es gibt Chor, Gegenchor und Koryphäe, die gleichzeitig auch Persönlichkeitsanteile von Penelope sind. Mit Poesie und harten Worten wendet sich die Protagonistin an alle, die bereit sind, die Augen zu öffnen oder schon wissen, in welcher Zeit wir leben und auf der Suche nach Katharsis und Hoffnung sind. Denn auch das findet Penelope – und so das Publikum. 



 


 
 
Auszeichnung für Rosemarie Philomena Sebek

Preis "DUC DE RICHELIEU 2016" für "Also spricht Penelope. Ein imaginiertes Realitätstheater"


Foto v.l.n.r.: Reinhard Auer(Dramaturg, Regisseur, Gründer d. Jura-Soyfer-Theaters i. Wien), Alexander Leitner (Präsident d. Österr.-Georgischen Gesellschaft i. Wien), Rosemarie Philomena Sebek
 
Am 3. November 2016 fand in Wien die Überreichung der Laureat-Diplome des "Duc de Richelieu 2016" an Rosemarie Philomena Sebek (Dramatische Literatur), Ela Maklin (Musik) und Kim Okura (Bildende Kunst) statt. Die Ehrung erfolgte durch Reinhard Auer und Alexander Leitner.


Foto v.l.n.r.: Kim Okura, Alexander Leitner, Ela Maklin, Reinhard Auer, Rosemarie Philomena Sebek

 
 

Samstag, 24. September 2016

 

FREMDE GÖTTER

Ausstellung im Leopold Museum (23.09.2016-09.01.2017)


Der Einladung zu dieser Ausstellung habe ich entnommen, dass das Leopold Museum erstmals seine Sammlung von Masken, Figuren usw. aus fernen Ländern zeigt. Dieser faszinierende Bestand, so heißt es weiter, würde mit 70 ausgewählten Werken von Künstlern wie Pablo Picasso … (Aufzählung noch einiger weiterer europäischer Künstler) … in einen lebhaften Dialog treten.


Und spätestens da fragte ich mich, wie es möglich sei, dass bei einer derartigen Schau in einem österreichischen Museum kein Werk von Claus Mayrhofer Barabbas (geb. 1943 in Wien, gest. 2009 in Bendigo, Australien) gezeigt wird, der schon zu Beginn seines Schaffens durch seine transkulturelle Haltung aufgefallen ist.


Über ihn schrieb die Kunsthistorikerin Maria Buchsbaum in ihrem Essay „Das Ornamentale als Inhaltsträger“ (1996): „Der Maler und Musiker (Barabbas) der sich schon damals (in den 1960ern und 70ern) nicht einordnen wollte, agierte in einem extrem individualistischen Zwischenreich, worin indianische Volkskunst und die Magie des Orients, der Surrealismus und die Märchenhaftigkeit der Naiven ebenso wie Abstraktion und Pop Art einströmten. So kommt ihm heute, in der Rückschau, die Bedeutung eines Indikators für die sechziger und siebziger Jahre zu.“


Und Barabbas selbst notierte in seinem Werktagebuch: „In den frühen Anfängen meiner Malerei (1960) habe ich mich sehr von der Malerei der Aborigines beeinflussen lassen. Neu Guinea, Mexiko usw. … Für mich war es eine Jahrtausende alte Entwicklung, eine Tradition, die ich durchgegangen bin. Wer sieht das schon?


Ich hatte am Beginn meiner Malerei nichts mit Popart, Psychedelic-Art usw. zu tun. Meine Malerei entwickelte sich durch meine Auseinandersetzung mit den Schnitzereien der Papuas am Sepik (River), mit Tätowierungen der Maoris und mit Hundertwasser. Darüber hinaus vertiefte ich mich in die Kunst von Gauguin – welcher meinen Blick in den pazifischen Raum lenkte – und mit Kandinsky, Kupka, Paul Klee und Klimt.“


Barabbas hatte es, wahrscheinlich nicht zuletzt seiner widerständigen Art wegen, in Wien – auch anderswo - nie leicht gehabt. Zwei Jahre Bali und danach 20 Jahre in Australien haben ihn hierzulande fast in Vergessenheit gebracht. Wenngleich die Stadt Wien 2013 mit zwei repräsentativen Ausstellungen im MUSA und im Künstlerhaus bestrebt war, dem entgegenzusteuern, herrscht – wie mir scheint - unter gegenwärtigen Kunstmanagern (wie überhaupt unter Kunstinteressierten der jungen Generation) gravierender Informationsmangel über den künstlerischen Grenzgänger Barabbas und seine Gegenwelten.  

In der österreichischen Kunstszene und am österreichischen Kunstmarkt herrschte in den 60er und 70er Jahren ein etwas anderer Ton, als dies heutzutage der Fall ist. Davon kann ich ein Lied singen. Mehr und mehr regiert in allen Bereichen das GELD.


Abschließend noch zwei Zitate von Barabbas (in den 60ern und 70ern Hanrun Ghulam Barabbas genannt) zu diesem Thema:


„Der Künstler an sich hat überhaupt keinen Respekt zu erhoffen, und wenn er welchen genießt, dann ist es sicherlich sehr selten, weil seine künstlerische Tiefschau erkannt wird, sondern weil er eine Persönlichkeit mit Charme und Erfolg ist und … Geld hat.“


„Hundert mittelmäßige Künstler werden immer größere Gesamtsummen einbringen, als zehn außergewöhnliche. Deshalb wird der ‚lebendige‘ Kunstmarkt immer von Mittelmäßigkeit dominiert sein. Es erweist sich, dass Mittelmäßigkeit im ‚lebendigen‘ Kunstmarkt die eigentlich erstrebenswerte Qualität darstellt. Außergewöhnlichkeit darf angedeutet sein, da ja zumindest der Sinn der Kunst als Wegweiser zur Tiefe beibehalten werden muss.“